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Andere Quellen berichten, dass im Jahr 759 n.Chr. Desiderius II., der letzte langobardische König, zuerst sein eigenes Haus
(heute der Wohnturm Palazzo Nomi Venerosi Pesciolini) in der Nähe der oben genannten Burg, und danach den zweiten Mauerring
bauen ließ. Der Gemeinde soll er zur Entlohnung ihrer besonderen Gastfreundschaft großzügige Steuererlässe
und Privilegien gewährt haben, nicht aber die politische Vorherrschaft. Der Name San Gimignano wird zum ersten Mal am 30.
August 929 n.Chr. in einer Schenkungsurkunde erwähnt, mit der Ugo, König von Italien, einen Ort namens „
Der Berg des Turmes“ in der Nähe von San Gimignano an Adelardo, den Bischof von Volterra übergibt. Spä
ter, im Jahre 991 n.Chr., wird dieser Ort „Castello del Vescovo“, Bischofsburg, genannt (heute ehemaliges Gefängnis,
vorher Dominikanerkloster).Im Jahr 1099 begann San Gimignano, sich mit einer Reihe von blutigen Kämpfen gegen die Unterwerfung
unter den “gräflichen Bischof“ von Volterra aufzulehnen, der zu jener Zeit Feudalherr auf mehreren Burgen
der Umgebung war. Die Kämpfe mündeten in einen Krieg, der gut dreißig Jahre dauerte.
Die Ortsnamen helfen uns heute zu rekonstruieren, wo einst die Schlachten stattfanden: Beim nahegelegenen Poggio del Cornocchio,
an der Grenze zwischen den beiden Städten, heißt eine Lichtung im Wald noch heute „Campo alla Battaglia“
(Schlachtfeld). Im Jahr 1199 erklärte sich San Gimignano zur freien Kommune und blieb es bis 1354, dem Jahr der Unterwerfung
unter Florenz. Die Bedeutung und den Reichtum verdankt das Land vor allem der Via Francigena, der Frankenstraße, und der Via Romea,
auf der wohl auch Karl der Große die Stadt passiert hat. Die Frankenstraße war die Pilgerstraße, die „in sü
dlicher Richtung nach Rom und in nördlicher Richtung nach Santiago de Compostela führte“. Durch die Stadt führten
außerdem verschiedene Salzstraßen oder „Salaiole“, die sogar bis nach Pisa reichten, wo die Sangimignaner die
„Fondachi“ besaßen, eigene Lagerhallen für die Waren, die sie ein- und ausführten.
Am besten florierte der Handel mit dem „Vingreco“, dem Safran und dem Vernaccia. Letzterer war übrigens auch von Papst Martin IV. hochgeschätzt, der von der Stadt eine angemessene Anzahl dickbauchiger Flaschen vom besagten Nektar verlangte, um darin die im Bolsener See gefischten Aale zu „ersäufen“.
Im 12. Jahrhundert, in der Zeit ihrer größten Blüte, bot die Stadt einem jeden, der darum bat, ihre Gastfreundschaft an. Vor allem aber denjenigen, die aus politischen Gründen aus anderen Städten verbannt waren, gab sie die Erlaubnis, sich ihr eigenes mehr oder weniger prächtiges Haus zu bauen, und einigen besonders Verdienstvollen erlaubte sie sogar den Bau von Lagertürmen, vorausgesetzt, sie bewiesen „mindestens fünf Jahre lang eine gute Führung“.
Das alltägliche Leben jener Zeit folgte dem Rhythmus der verschiedenen Glockenklänge: Da war die Salzglocke, die Ladenglocke,
die Feuerglocke, die Brotglocke. Letztere läutete, wenn ein reicher Herr, zur Errettung seiner Seele im Jenseits, beim Ableben
all den Armen des Ortes Brot spendete. Zur Sperrstunde läutet noch heute aus Tradition die Glocke vom Großen Turm des
heutigen Rathauses, an Winterabenden um neun, an Sommerabenden um zehn Uhr. Ferner gab es in jedem Palazzo einen Brunnen oder eine
Zisterne zum Auffangen des Wassers, das zur Versorgung der Familie und des Viehs nötig war. Ende des 19. Jahrhunderts gab es
noch 105 davon in der Altstadt. Im Jahr 1355 standen in San Gimignano ganze 72 Türme. Sie symbolisierten den Reichtum und das
Ansehen der Familien, die sie in ihrem Besitz hatten. Heute sind, zur Erinnerung an die ruhmreiche Vergangenheit, noch fünfzehn
plus zwei Wohntürme erhalten.
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